Ich lasse mein Kind beim Einschlafen schreien…

damit sich die Lunge ausbilden kann.

Das ist einer der wenigen Sätze,
den ich einfach nicht mehr hören kann

Ich bin ein klarer Verfechter von leben und leben lassen, aber abends schreien lassen, damit sich die Lunge ausbilden kann!? EUER ERNST?

Ich versuche das Ganze nun so neutral wie nur irgend möglich zu formulieren und somit ein Lob an alle Eltern auszusprechen, die ihre Kinder nicht schreien lassen und einen Denkanstoß an diejenigen Eltern zu geben, die bisher einfach noch nicht drüber nachgedacht haben oder Schlussfolgerungen aus falschen bzw. veralteten Informationen gezogen haben.

Persönlich glaube ich keiner Studie, die ich nicht selbst gefälscht habe. Mal davon abgesehen, habe ich auch überhaupt keine gefunden in der nachgewiesen werden konnte, dass sich regelmäßiges Schreien positiv auf die Lungenentwicklung auswirkt. Körperlich gesehen bringt das Schreien also keinerlei Vorteile.

Auch von Ärzten aus ist mir bekannt, dass man sich bei Problemen mit der Lunge eher schonen soll, warum sollte es also anderes herum einen positiven Effekt haben?

Ganz hart gesagt:
Das einzige Ziel, welches erreicht wird ist, dass die Psyche des Babys und wahrscheinlich auch die der Eltern leidet.

Ich geh sogar einen Schritt weiter. Ein Kind, welches sich in den Schlaf schreit (denn, wenn dann schläft es nur vor Erschöpfung ein) schüttet Stresshormone aus und diese Stresshormone führt zu einem starken Anstieg neuer Energie und Kraft.
Bemerkt ihr die Krux?

Woher kommt dieses Denken überhaupt?

Vieles kommt noch von der schwarzen negativ belasteten Pädagogik und wurde uns so vermittelt und es steckt einfach noch in unseren Köpfen. Man kann in dem Moment oft nicht anderes, da es eine Art Impuls ist. Schon oft habe ich gehört, dass die Eltern dann vor dem Zimmer stehen und warten ob sie rein gehen sollen, weil es ihnen weh tun würde dem schreienden Kind zu zuhören.

Doch warum geben viele dann dem mütterlichen Instinkt nicht nach?

dazu Johanna Haarer:

Man solle das „Kind als Feind“ betrachten. Sie fordert, wenn das Kind schreit und auch der Schnuller als „Beruhigungsmittel“ versagt, „dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen.“

aus „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“

Zur Information:

Johanna Haarer war eine österreichisch-deutsche Ärztin und Autorin von auflagenstarken Erziehungsratgebern im Dritten Reich, die eng an die Ideologie des Nationalsozialismus angelehnt waren.

Jetzt wisst ihr auch woher dieser Unfug überhaupt erst kommt.

Das Buch wurde 1934 veröffentlicht und bis in die 90er Jahre immer wieder neu aufgelegt. So viel Zeit ist noch nicht vergangen und bis sich in den Köpfen der Menschen etwas ändert, dauert es meist mehrere Generationen.

Also lasst uns damit anfangen!!!

Was braucht mein Baby dann?

Wenn ihm doch augenscheinlich nichts fehlt?

Was kann ein Baby bei der Geburt?
Ganz kleinlich betrachtet kann ein Säugling natürlich sehr viel, wie atmen, greifen, Augen auf und zu machen, aber betrachtet man es wirklich sehr oberflächlich, kann es trinken (und ausscheiden), schlafen und schreien.

Im Gegenzug dazu denkt mal bitte an das Hausschwein und dann an die Ferkel. Diese stehen fast direkt nach der Geburt auf und können selbst zu Mamaschwein laufen und sich an der Milchbar bedienen oder sich mit seinen Geschwistern balgen, sich woanders hinlaufen, falls es mal unangenehm zieht.

Natürlich sind sämtliche Vergleiche eventuell blöd, aber ich hoffe ihr versteht jetzt, worauf ich hinaus möchte. Euer Baby kann dies nicht!

Es schreit um mitzuteilen, dass ETWAS nicht stimmt und nun liegt es an uns herauszufinden was das ist… Es kann

  • zu warm oder zu kalt sein.
  • sich erschreckt haben, weil ein Auto mit lauter Musik vorbei gefahren ist.
  • Angst haben, weil es allein aufgewacht ist.
  • irgendwelche Schmerzen (Bauch, Zähne oder Wachstumsschmerz) haben.
  • sein, dass es falsch gelegen ist.
  • einfach nochmal etwas hunger bekommen haben.
  • sein, dass das Baby einfach nicht alleine sein mag oder
  • einfach nur kuscheln möchte…

Diese Liste lässt sich endlos weiterführen. Aber das Hauptproblem ist, dass sie es uns einfach nicht direkt mitteilen, sondern wir es erfühlen müssen oder durch Versuch und Irrtum unserem Baby helfen müssen. ❤

Dieses Prozedere schafft unglaublich URVERTRAUEN. Urvertrauen ermöglicht angstarme Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt und ist somit Grundlage für das Selbstvertrauen („Ich bin es wert, geliebt zu werden.“), Vertrauen in andere („Ich vertraue Dir.“) und Vertrauen in die Welt („Es lohnt sich zu leben.“).

Es ist also extrem wichtig!!!

In der Psychologie ist es zwar Grundlage für eine Diskussion, aber nicht OB es wichtig ist, sondern in welchem UMFANG und wenn sich Psychologen mal in etwas einig sind, dann heißt das was! 😉

Abgesehen davon, dass das Baby nun weis, dass jemand für es da ist und das Baby dadurch merkt, dass man bereit ist, die Bedürfnisse zu erkennen und dementsprechend zu handeln, bleiben die Stresshormone aus, was das Baby ausgeglichener werden lässt (ist natürlich ein langer Prozess). Ausgeglichene Kinder wiederum weinen und schreien seltener.

Zur Beruhigung und als abschließendes Fazit:

Die Ausbildung der Lunge passiert von ganz allein, da muss man nicht durch künstliches schreien lassen nachhelfen.

Liebe Grüße,

Eure Steffi und der sich NICHT in den Schlaf schreiende Maximilian (zählt natürlich auch für den Großen) ❤

Der schläft nämlich trotz Familienbett in seinem eigenen Zimmer, aber das ist ein anderes Thema!


2 Gedanken zu “Ich lasse mein Kind beim Einschlafen schreien…

  1. Danke für diesen Beitrag und das schöne Bild am Schluss! 🙂 Dankbarerweise musste ich diesen Satz nie hören, zumindest nicht den Teil mit der Ausbildung der Lunge. Hingegen „Lass ihn doch meckern“, als sich unser Sohn als drei Monate alte kleine Wutz sich in seiner Babyschale, in die wir ihn schon gesetzt hatten, um uns selbst anzuziehen, die Seele völlig verzweifelt aus dem Leib schrie… Es ist leider sehr tief in den Köpfen (nicht nur) der älteren Generationen!

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    1. Oh dankeschön!
      Da werd ich ja ganz rot 🤗

      Ist ja wenigstens schon mal was!
      Aber meckern mit Seele ausm Leib schreien vergleichen verrät ja auch schon einiges… 😯

      Leider! Hoffentlich kann man was ändern! Es wird aller höchste Zeit!

      Gefällt 1 Person

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